Was ist eine
Dissoziierte Plastik
?


Das Phänomen

Dissoziation beschreibt die Unterbrechung der üblicherweise integrativen
Funktionen des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität oder der
Wahrnehmung der Umwelt.
Sie kann als Ausnahmezustand verstanden werden, in dem kognitive
Prozesse vom Bewusstsein getrennt werden und unabhängig davon ablaufen.
Dissoziation äußert sich in teilweisem oder völligem Verlust der Integration
der Erinnerung an die Vergangenheit, des Identitätsbewusstseins,
der Wahrnehmung unmittelbarer Empfindungen sowie der Kontrolle von
Körperbewegungen.

Ressource für die Inszenierung des künstlerischen Prozesses

Abgespaltene oder verdrängte Bewusstseinsinhalte werden im ästhetischen
Prozess externalisiert. Neuronenfeuer wird in sinnlich Erfahrbares
transformiert. Visuelle, taktile, olfaktorische, auditive Wahr-Nehmung
wird möglich.
Das entstandene Kunstprodukt ist zunächst vielleicht fremd und fügt sich
nur allmählich und probehalber in die Ordnung des unvollständigen Systems,
also des Organismus oder der Persönlichkeit. Gelegentlich muss
es weiter transformiert werden.
Durch die ästhetische Transformation und Versinnlichung des Dissoziierten
beziehungsweise Verdrängten in ein Kunstwerk kann es gelingen,
nicht integrierte Bewusstseinsfragmente ins Spiel zu nehmen und so
sich selbst zu vervollständigen, also eine zuvor ungeschlossenene Gestalt
zu schließen.
Dies kann in mehreren Phasen inszeniert werden. Ein Kunstwerk, in
meinem Fall ein Bild, kann zerstört und in eine anderes, in meinem Fall
eine Plastik, transformiert werden. Die Zerstörung des Vorhandenen ist
dabei grundsätzlich notwendig, damit etwas Neues entstehen kann.

Ziel

Durch künstlerische Tätigkeit und Mittel eine (Selbst-)Transformation zu
inszenieren und damit die eigene Persönlichkeit zu entwickeln.